{"id":3890,"date":"2026-07-08T15:18:49","date_gmt":"2026-07-08T15:18:49","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.haz.ch\/?p=3890"},"modified":"2026-07-08T15:18:51","modified_gmt":"2026-07-08T15:18:51","slug":"familiensteckbriefe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazin.haz.ch\/?p=3890","title":{"rendered":"Familiensteckbriefe"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-palette-color-8-color has-palette-color-1-background-color has-text-color has-background has-link-color has-medium-font-size wp-elements-1 wp-block-paragraph\">In den folgenden Steckbriefen lest ihr Geschichten aus dem Alltag verschiedener Familien. So vielf\u00e4ltig wie diese sind, haben unsere Portraits viel gemeinsam: Familie ist nicht eine Frage des Weges, sondern der Beziehungen, die wir f\u00fcreinander eingehen, und der Werte, die wir teilen und weitergeben m\u00f6chten.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interviews: Joelle L\u00f6w<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mami Sophie und Mama Selin mit ihrem Kind Levin (6 Monate)&nbsp;<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sophie: \u00abWir haben dank einer tollen Kinderwunschklinik in Wien einen Sohn bekommen. Herausfordernd war die Zeit davor, als wir versucht haben, unseren Kinderwunsch in der Schweiz zu erf\u00fcllen, aber dabei zahlreiche negative Erfahrungen machen mussten. Der Weg ins Ausland war mit viel Aufwand, Kosten und gravierenden rechtlichen Folgen verbunden. Der Entscheid ist uns sehr schwergefallen. R\u00fcckblickend w\u00fcrden wir direkt ins Ausland gehen, als Frauenpaar haben wir dort eine viel offenere und professionellere Behandlung erlebt. Es entspannt uns auch zu wissen, dass unser Sohn den Spender mit 14 Jahren kontaktieren k\u00f6nnte, aber die Klinik eine gewisse geografische Distanz hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir waren auch zu zweit sehr gl\u00fccklich, aber seit unser Kind da ist, ist unser Leben perfekt. Genau wie davor unternehmen wir viel und geniessen die gemeinsame Zeit zu dritt sehr. Oft werden wir auch auf der Strasse angesprochen, weil unser Sohn so s\u00fcss ist. Gerne erkl\u00e4ren wir dann, dass unser Sohn zwei M\u00fctter hat und unendlich viel Liebe bekommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir w\u00fcnschen uns, dass wir und andere Regenbogenfamilien sich zuk\u00fcnftig keine Gedanken mehr \u00fcber die rechtliche Absicherung machen m\u00fcssen, indem sie von Geburt an abgesichert sind und kein diskriminierendes und v\u00f6llig unn\u00f6tiges Stiefkindverfahren durchleben m\u00fcssen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>C\u00e9line und ihr*e Ex-Partner*in mit Finn (4)&nbsp;<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">C\u00e9line: \u00abIch lebe seit eineinhalb Jahren getrennt, wir teilen uns die Kinderbetreuung 50\/50. Familie bedeutet f\u00fcr uns, sich zu vertrauen, f\u00fcreinander da zu sein und einander Geborgenheit und Liebe zu geben. Seit der Trennung hat das noch an Bedeutung gewonnen. Auch wenn wir immer gesagt haben, dass man nicht unter einem Dach wohnen muss, um Familie zu sein, war es schwer, dieses klassische Bild loszulassen. Es hat geholfen, viel dar\u00fcber zu sprechen. Wir sind weiterhin Familie, auch wenn wir unsere eigenen Leben f\u00fchren. Als Elternpaar funktionieren wir sehr gut \u2013 da steckt viel Arbeit drin, immer wieder aufs Neue. Unser Kind sp\u00fcrt die Verbindung zwischen uns. Unsere Familie besteht aus unserer Kernfamilie und einem erweiterten Kreis aus Freund*innen und Verwandten \u2013 daran hat sich durch die Trennung nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben uns 2021 entschieden, eine Familie zu gr\u00fcnden \u2013 wir wollten nicht warten auf die Ehe f\u00fcr Alle. Uns war bewusst, dass wir den Weg \u00fcber die Stiefkindadoption gehen m\u00fcssen. Wir haben eine anonyme Samenspende bei einer Gyn\u00e4kologin in Deutschland gemacht, das ist alles gut verlaufen, und wir sind dem Spendermenschen im Stillen sehr dankbar f\u00fcr unser Kind. Im Adoptionsprozess habe ich mich oft nicht ernst genommen gef\u00fchlt, obwohl ich von Anfang an da war und meine Rolle als Elternteil lebe. Das war sehr verletzend. Gleichzeitig habe ich auch viel Unterst\u00fctzung und Positives erlebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Zukunft w\u00fcnsche ich mir, dass rechtliche Elternschaft selbstverst\u00e4ndlich wird \u2013 unabh\u00e4ngig davon, wie ein Kind gezeugt wurde. Kein Mensch sollte vorgeschrieben bekommen, wie, wo oder mit wem ein Kind entsteht.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mama Tiziana und Mama Simona mit 4 Kindern (18, 6 und 4-j\u00e4hrige Zwillinge)&nbsp;<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tiziana: \u00abWir sind zwei Mamas mit vier Kindern. Das gr\u00f6sste Kind hat die Bauchmama mit in die Beziehung gebracht und ist bereits ausgezogen. Die drei kleineren Kinder haben wir zusammen bekommen. Unsere Familie ist St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck gewachsen. Alle bringen ihre eigene Geschichte mit, und genau das macht uns heute so stark. Der Weg war nicht immer einfach \u2013 besonders das Zusammenfinden als Familie, das Abstimmen von Bed\u00fcrfnissen und das gemeinsame Wachsen hat uns gefordert. Wir haben gelernt, offen zu kommunizieren, einander zuzuh\u00f6ren und als Team zu funktionieren. Heute wissen wir: Familie ist nichts, was einfach da ist \u2013 sie ist etwas, das man jeden Tag aktiv gestaltet.&nbsp; Herausfordernd war vor allem der Weg zu unseren gemeinsamen Kindern: die ganze Vorbereitung, das Informieren, die H\u00fcrden w\u00e4hrend der Entstehung der Kinder \u2013 und auch die Stiefkindadoption danach hat ganz sch\u00f6n Nerven gekostet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Familie zeigt sich f\u00fcr uns in den kleinen Momenten: wenn alle zusammen am Tisch sitzen, durcheinanderreden, lachen und keiner wirklich still ist. Wenn ein Kind Trost braucht und sofort jemand da ist. Oder am Sonntagmorgen alle im Pyjama auf dem Sofa kuscheln. Wenn wir abends auf dem Sofa sitzen und trotzdem wissen: Genau das ist unser Gl\u00fcck. Familie bedeutet f\u00fcr uns Geborgenheit, gegenseitige Unterst\u00fctzung und das Gef\u00fchl, genau so richtig zu sein, wie man ist!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Zukunft w\u00fcnschen wir uns, dass wir uns dieses Gef\u00fchl von Zusammenhalt und Leichtigkeit bewahren k\u00f6nnen \u2013 auch wenn die Kinder gr\u00f6sser werden und sich vieles ver\u00e4ndert. Dass unser Zuhause immer ein Ort bleibt, an den alle gern zur\u00fcckkommen. Und dass wir unseren Kindern mitgeben k\u00f6nnen, wie wichtig Liebe, Respekt und Offenheit sind \u2013 egal, wie eine Familie aussieht.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Milena und Tatjana mit Kai (bald 2)<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Milena: \u00abUnser Kind kam mit Unterst\u00fctzung eines Kinderwunschzentrums in Wien zu uns, durch eine IVF-Behandlung mit der ROPA-Methode. Diese hat von Anfang an wunderbar angeschlagen, wir hatten grosses Gl\u00fcck. Die Reisen nach Wien waren f\u00fcr uns mit Vorfreude und sch\u00f6nen Momenten verbunden. Diese Zeit war nicht nur ein medizinischer Prozess, sondern auch eine sehr positive und verbindende Erfahrung f\u00fcr uns als Paar. Heute ist es deshalb etwas ganz Besonderes, wenn wir nach Wien reisen, denn es f\u00fchlt sich fast ein bisschen an wie nach Hause kommen. Wir verbinden diese Stadt auf eine ganz eigene Weise mit unserer Familie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Familie bedeutet f\u00fcr uns heute, zusammen zu sein, sich zu lieben und wertzusch\u00e4tzen, f\u00fcreinander da zu sein und f\u00fcreinander einzustehen. Wir verbringen unglaublich gerne Zeit zu dritt und es ist uns besonders wichtig, diese bewusst einzuplanen. In unserer Freizeit unternehmen wir viel gemeinsam: Ausfl\u00fcge, Museen, Natur, Spielpl\u00e4tze. Besonders sch\u00f6n finden wir zu beobachten, dass Kai \u2018Zuhause\u2019 nicht mit einem bestimmten Ort verbindet, sondern mit uns als Familie. Genau deshalb ist das Reisen mit ihm f\u00fcr uns so unkompliziert und einfach etwas ganz Besonderes.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Zukunft w\u00fcnschen wir uns, dass unser Kind seinen eigenen Weg gehen kann, ohne dass unser Familienmodell hinterfragt, stigmatisiert oder kritisiert wird. Wir w\u00fcnschen uns eine Welt, in der jede Familie ihren Platz hat, anerkannt wird und in ihrer Einzigartigkeit als genauso wertvoll gesehen wird wie jede andere.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Noemi und Ayla mit zwei Kindern (4 und 2)<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noemi: \u00abNach meiner Krebserkrankung war lange ungewiss, ob ich selbst ein Kind austragen kann. Trotzdem versuchten wir es \u00fcber viele Jahre mit einem privaten Spender aus dem Freund*innenkreis, abwechselnd bei meiner Frau und mir. Das war eine belastende Zeit mit vier Fehlgeburten insgesamt. Nach meiner eigenen Fehlgeburt hielt ich an der Hoffnung fest, dass es bei mir klappen k\u00f6nnte, trotz der \u00e4rztlichen Einsch\u00e4tzung von nur 0,5 % Erfolgschance. In dieser Zeit entschieden wir uns, einen Hund aufzunehmen, der f\u00fcr uns auch eine besondere Bedeutung als \u2018Storch\u2019 bekam. Nach einem weiteren Versuch wurde ich mit unserem jetzt vierj\u00e4hrigen Kind schwanger. Zwei Jahre danach wurde meine Frau schwanger durch eine Samenspende in einer Reproduktionsklinik in der Schweiz, nun m\u00f6glich durch die Ehe f\u00fcr Alle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Mangel an Informationen \u00fcber M\u00f6glichkeiten f\u00fcr queere Paare Eltern zu werden, war f\u00fcr uns eine grosse Herausforderung. Trotz der Ehe f\u00fcr Alle bestehen weiterhin grosse H\u00fcrden, etwa beim Adoptionsverfahren. Das haben wir als sehr belastend und unangemessen erlebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Familienalltag ist stark von Bewegung und Organisation gepr\u00e4gt. Meine Frau und ich pendeln, die Kinder sind an drei Tagen in der Kita, um unseren Hund k\u00fcmmern sich oft auch Menschen aus unserem Umfeld. Manchmal stellt sich unser Vierj\u00e4hriger zu uns, umschlingt unsere Beine und sagt: \u00abFamilie.\u00bb In solchen Momenten schmilzt mein Herz, und ich weiss, dass wir alles haben, was wir uns je gew\u00fcnscht haben. Familie ist f\u00fcr uns kein biologisches Konzept, sondern etwas, das wir gemeinsam erschaffen. Sie entsteht dort, wo Menschen sich f\u00fcreinander entscheiden, Verantwortung teilen und Zeit miteinander leben. Dazu geh\u00f6ren auch Freund*innen. Familie ist f\u00fcr uns ein gelebtes Miteinander, gew\u00e4hlt, gewachsen. Nicht Herkunft entscheidet dar\u00fcber, sondern N\u00e4he, F\u00fcrsorge und das bewusste Ja zueinander.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Zukunft w\u00fcnschen wir uns, dass alle Familienformen von Anfang an rechtlich abgesichert sind, ohne zus\u00e4tzliche H\u00fcrden. Wir w\u00fcnschen uns einen diskriminierungsfreien Zugang zur Reproduktionsmedizin, unabh\u00e4ngig von Familienkonstellation, Identit\u00e4t oder Einkommen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Co-Parenting-Regenbogenfamilie mit f\u00fcnf lesbisch\/schwulen Erwachsenen und zwei Kindern (14 und 17 Jahre)<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christian: \u00abLaura (Mutter des ersten Kindes) und ich (dessen Vater), kennen uns seit unserer Jugend und w\u00fcnschten uns beide Kinder. Gemeinsam entstand die Idee, diesen Wunsch im Co-Parenting umzusetzen. 2008 kam unser Sohn zur Welt. Kurz darauf zog ich bei einem Freund in die WG und dieser beteiligte sich zeitweise an der Betreuung. Daraus entwickelte sich mit der Zeit die Idee, dass er Vater eines zweiten Kindes werden k\u00f6nnte. In intensiven Gespr\u00e4chen wurden Vorstellungen und Erwartungen gekl\u00e4rt. Wichtiger Konsens war, dass die beiden Kinder als Geschwister gemeinsam aufwachsen k\u00f6nnen und dass wir die Betreuungsarbeit unter den Elternteilen gleichberechtigt aufteilen wollten. 2012 wurde die Tochter von Laura und Fabian geboren. W\u00e4hrend der ersten sieben Jahre lebten die beiden Kinder Halbzeit in der WG der V\u00e4ter und Halbzeit in der WG der Mutter und es war f\u00fcr alle toll, die gemeinsame Entwicklung der Kinder mitzuerleben und zu begleiten. Da wir uns alle vertrauten, konnten wir auch die grosse Freiheit in der kinderfreien Zeit geniessen. Was wir schnell merkten, war, dass wir bei gemeinsamen Aktivit\u00e4ten festlegen sollten\/mussten, wer der Erwachsenen gerade im Lead ist, damit keine Konfusionen entstehen und alle Verantwortung tragen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die Zeit sind Partner*innen dazugekommen und die Familie ist so gr\u00f6sser geworden. Die Familienmitglieder leben heute an drei verschiedenen Orten im selben Quartier, so sind die Wege kurz. Als regelm\u00e4ssige gemeinsame Zeit hat sich ein Abendessen alle zwei Wochen bew\u00e4hrt und dazwischen f\u00e4rben und suchen wir gemeinsam Ostereier, feiern Geburtstage und Weihnachten zusammen, oder machen in unterschiedlichen Konstellationen gemeinsame Ausfl\u00fcge. Familie bedeutet f\u00fcr uns, am Leben der anderen teilzuhaben und bei Bedarf auch gegenseitig auszuhelfen oder zu unterst\u00fctzen, z.B. wenn jemand gerade eine intensivere Weiterbildung besucht oder l\u00e4ngere Ferien plant. Kurz: f\u00fcreinander da zu sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig sind uns die Verbindungen zu den Herkunftsfamilien, der Austausch untereinander, und der Wunsch, dass diese Beziehungen auch bleiben, wenn die Kinder selbstst\u00e4ndiger werden \u2013 und dass wir weiterhin gemeinsam feiern und den gegenseitig bereichernden Austausch geniessen k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den folgenden Steckbriefen lest ihr Geschichten aus dem Alltag verschiedener Familien. 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