{"id":3472,"date":"2024-05-27T13:25:00","date_gmt":"2024-05-27T13:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.haz.ch\/?p=3472"},"modified":"2025-11-18T15:41:42","modified_gmt":"2025-11-18T15:41:42","slug":"queer-und-stolz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazin.haz.ch\/?p=3472","title":{"rendered":"Queer und stolz"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-stackable-heading stk-block-heading stk-block-heading--v2 stk-block stk-a11d464 stk-block-background\" id=\"span-style-color-fffffe-class-stk-highlight-lesley-sie-ihr-ist-queere-lehrperson-wortkunstlerin-in-buchern-zu-hause-sie-ist-auch-autistisch-und-chronisch-krank-wir-durfen-ihre-personliche-sicht-auf-ihr-nicht-stolz-sein-queer-sein-und-neurodivergent-sein-mit-euch-teilen-span\" data-block-id=\"a11d464\"><style>.stk-a11d464 {background-color:var(--theme-palette-color-1, #441C75) !important;}.stk-a11d464:before{background-color:var(--theme-palette-color-1, #441C75) !important;}<\/style><h4 class=\"stk-block-heading__text\"><span style=\"color: #fffffe;\" class=\"stk-highlight\">Lesley (sie\/ihr) ist queere Lehrperson, Wortk\u00fcnstlerin, in B\u00fcchern zu Hause. Sie ist auch autistisch und chronisch krank. Wir d\u00fcrfen ihre pers\u00f6nliche Sicht auf ihr (Nicht) Stolz-Sein, Queer-Sein und Neurodivergent-Sein mit euch teilen.<\/span><\/h4><\/div>\n\n\n\n<p>Text: Lesley L\u00f6w<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Stolz zu sein, ist etwas Komisches. Oder zumindest etwas nicht fertig Erkl\u00e4rbares. Ich bin stolz darauf, dass ich noch lebe. Ich bin stolz darauf, dass ich arbeite, Lieblingsmenschen habe, mir ein Leben aufgebaut habe, nachdem es mir so oft erschien, als w\u00fcrde nichts daraus werden. Aber was ich nicht bin, ist, stolz darauf, queer zu sein. Es ist ein Teil von mir, seit ich ein Kind bin und es w\u00e4re dasselbe, zu sagen, ich bin stolz darauf, eine Frau zu sein. Oder autistisch zu sein. Ich bin das alles gerne \u2013 ich bin gerne autistisch, ich bin gerne eine Frau und ich bin unglaublich gerne queer. Und ich bin stolz darauf, meine Queerness nicht verdr\u00e4ngt zu haben, obwohl viele Stolpersteine, oder eher Felsbrocken, zwischen mir und meinem queeren Inneren standen. (Ihr kennt sie. Gesellschaft. Politik. Menschen.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Aber Stolz-Sein und Queer-Sein h\u00e4ngt trotz allem zusammen. Ganz pers\u00f6nlich f\u00fcr mich, ohne die Geschichte, die uns alle als queere Menschen gepr\u00e4gt hat. Denn meine Rechte in der Gegenwart haben andere Menschen erk\u00e4mpft, so wie ich f\u00fcr eine andere Zukunft k\u00e4mpfe. Darauf bin ich nicht stolz, sondern bin daf\u00fcr zutiefst dankbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Es gibt ja auch nicht die eine Queerness, und genauso wenig gibt es den einen Autismus. Queerness ist ein Spektrum, und Autismus vielleicht eine spektrale Scheibe? Mit verschiedenen Auspr\u00e4gungen und verschiedenem Leidensdruck und verschiedenen Gl\u00fccksgef\u00fchlen. Ein Aspekt meines Autismus ist, dass ich Sachen teile, ohne dar\u00fcber nachzudenken. So zum Beispiel auch meine Queerness. Als Kind bedeutete das, dass ich Fragen stellte und Sachen erz\u00e4hlte, die andere sich vielleicht nur heimlich \u00fcberlegten, und wenn jemensch etwas darauf antwortete, nahm ich das als neue Regel der Gesellschaft in mein mentales Regelbuch auf. Diese sozialen, oft unausgesprochenen Regeln waren mir furchtbar fremd und ich musste sie aktiv erlernen. Mein vermeintliches Wissen bereits geformt, meinte ich als Jugendliche zu wissen, dass Lesbisch-Sein etwas Komisches ist. Aber ich verliebte mich trotzdem in meine Freundinnen und verstand dann die Welt nicht mehr, dass es nach dem \u00abK\u00fcssen \u00fcben und Feedback geben\u00bb nur darum ging, Jungs zu k\u00fcssen. So wurde es zu einer weiteren sozialen Regel, dass M\u00e4dchen nur Jungs k\u00fcssen, und nicht M\u00e4dchen. Dann, als junge Frau, liess ich eine toxische hetero\u00adsexuelle Beziehung hinter mir, durchlebte und beendete eine wundersch\u00f6ne hetero\u00adsexuelle Beziehung und musste mich mit mir selbst auseinandersetzen. Und mich mir selbst outen. Ich bin lesbisch. Dieser Satz tut immer noch so gut. Ob ich nun lesbisch bin, oder auch ein bisschen bi oder pan, ich identifiziere mich als queer und haupts\u00e4chlich lesbisch und bin wirklich stolz darauf, dass meine Queerness da ist, frei ist, und Platz in mir hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"450\" src=\"https:\/\/magazin.haz.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/202402_lesley.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3477\" srcset=\"https:\/\/magazin.haz.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/202402_lesley.png 600w, https:\/\/magazin.haz.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/202402_lesley-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Lesley und Hund Pabu<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Queere Events sind h\u00e4ufig schwierig. Ich konnte noch nie an die Z\u00fcrcher Pride \u2013 zu viele Reize, zu viele Menschen, zu viele soziale unausgesprochene Erwartungen und zu viele Situa\u00adtionen, die mir unbekannt sind und ich nicht planen kann. Und dann kam letztes Jahr die kleine Basler Pride. Gewappnet mit Loops und meiner Wasserflasche traf ich meine Lieblingsmenschen am Messeplatz, und wir spazierten durch Basel, wo ich fast jede Ecke kenne, und ich konnte mich mit meinen Liebsten umgeben, ohne Angst, sie in der Menge zu verlieren. Mein Herz hat gesungen und gefeiert und ich war so dankbar, (und stolz?) endlich bei einer Pride mitlaufen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Auch Partys oder Shows, ob queer oder nicht, sind h\u00e4ufig ableistisch. Aber das erste Mal, als ich mich wieder an einen Event traute, fand er in einer Venue statt, die einen Ruheraum anbot f\u00fcr alle, die ihn brauchten: Alok Vaid Menon trat auf. Dazu kam, dass der Saal nur Sitzpl\u00e4tze hatte, was bedeutete, dass ich mir meinen Platz nicht erk\u00e4mpfen musste, sondern dass er einfach da war. Mein Stuhl \u00fcbernahm wortlos meine sonst sehr anstrengende Arbeit. Und so waren auch meine Schwestern neben mir, ohne dass ich st\u00e4ndig kontrollieren musste, ob sie noch da waren. Denn meine Freund*innen und meine Familie geben mir Halt. Und ich bin so stolz darauf, dass ich sie in mein Leben liess, mit offenem Herzen und Vertrauen, trotz allen verdammten Regeln, die ich mal gemeint habe, gelernt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesley (sie\/ihr) ist queere Lehrperson, Wortk\u00fcnstlerin, in B\u00fcchern zu Hause. Sie ist auch autistisch und chronisch krank. Wir d\u00fcrfen ihre pers\u00f6nliche Sicht auf ihr (Nicht) Stolz-Sein, Queer-Sein und Neurodivergent-Sein mit euch teilen. Text: Lesley L\u00f6w Stolz zu sein, ist etwas Komisches. 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