{"id":3469,"date":"2024-05-28T13:22:00","date_gmt":"2024-05-28T13:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.haz.ch\/?p=3469"},"modified":"2025-12-10T11:27:25","modified_gmt":"2025-12-10T11:27:25","slug":"keine-pride-und-csd-ohne-behinderten-sichtbarkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/magazin.haz.ch\/?p=3469","title":{"rendered":"Keine Pride und CSD ohne Behinderten-Sichtbarkeit!"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-stackable-heading stk-block-heading stk-block-heading--v2 stk-block stk-53738db stk-block-background\" id=\"span-style-color-var-theme-palette-color-8-ffffff-class-stk-highlight-schone-queere-emotionen-schwer-passierbare-demorouten-warum-ich-lila-als-queere-kunstler-in-mit-einer-behinderung-an-pride-und-csd-fahre-und-warum-diese-unbedingt-barrierefrei-sein-mussen-span\" data-block-id=\"53738db\"><style>.stk-53738db {background-color:var(--theme-palette-color-1, #441C75) !important;}.stk-53738db:before{background-color:var(--theme-palette-color-1, #441C75) !important;}<\/style><h4 class=\"stk-block-heading__text\"><span style=\"color: var(--theme-palette-color-8, #ffffff);\" class=\"stk-highlight\">Sch\u00f6ne queere Emotionen, schwer passierbare Demorouten. Warum ich, Lila, als queere K\u00fcnstler*in mit einer Behinderung an Pride und CSD fahre und warum diese unbedingt barrierefrei sein m\u00fcssen.<\/span><\/h4><\/div>\n\n\n\n<p>Text: Lila Plakolli und Gioia Niessner<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">In einem Sommer war es so weit. Ich fuhr zum ersten Mal mit meinen Freund*innen aus der Stiftung an die Zurich Pride. Mirco hatte den Wagen mit uns bereit gemacht und wir dekorierten ihn zusammen mit unseren Betreuenden. Wir stellten einen Flamingo drauf. Ich war mega nerv\u00f6s, denn ich durfte eine Rede halten. Es war der sch\u00f6nste Tag in meinem&nbsp;Leben, und ich war mir noch nicht einmal bewusst, ob ich selbst queer war. Am Abend habe ich meinen Text vor\u00adgetragen und es war ein riesiger Erfolg. Es ging um Sexualit\u00e4t und Behinderung und wie behinderten Menschen sehr oft die Sexualit\u00e4t abgesprochen wird. F\u00fcr mich war es schon schwierig genug, meine Heterosexualit\u00e4t auszuleben, deshalb war es f\u00fcr mich nicht klar, ob ich queer bin. Das war der Beginn meiner Coming-Out-Story. Seitdem gehe ich immer an die Pride. Jetzt bin ich Queer as Fuck!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">An der n\u00e4chsten Pride: Ich sp\u00fcre den Make-up-Pinsel auf meiner Haut, der Eyeliner wird gesetzt, der Lidschatten aufgetragen und das Rouge rundet alles ab. Meine beste Freund*in legt mir die Louis-Quatorze-Per\u00fccke auf einer Decke \u00fcber die Schultern und wir gehen zum Tram Richtung Ni-Una-Menos-Platz. Ich performe im Louis-Quatorze-Kost\u00fcm an meiner Lipsync-Show. Die Menschen, die mir zujubeln, geben mir so viel Selbstbewusstsein, dass ich, als queere K\u00fcnstler*in mit einer Behinderung, \u00abQueer-Crip and Proud\u00bb zu meinem Lebensmotto mache.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/magazin.haz.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/202402_Lila.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3478\" style=\"width:654px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Lila mit Louis-Quatorze-Per\u00fccke an der Zurich Pride.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">In den darauffolgenden Jahren hatte ich noch viele sch\u00f6ne Pride-Momente. Doch die Barrierefreiheit l\u00e4sst oft zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Bei der Politik-B\u00fchne etwa funktionierte der Lift nicht richtig, die Demoroute ist an einigen Stellen oft schwer passierbar und der Zeughaushof ist \u00fcberhaupt nicht rollstuhlg\u00e4ngig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Pride war seit jeher vor allem ein Aufstand gegen die Diskriminierung queere*r Menschen, angef\u00fchrt von Schwarzen trans Frauen und Dragqueens. Es war von Anfang an eine intersektionale Demo. Dass die Pride zu einer riesigen Kommerzveranstaltung geworden ist, f\u00fchrte dazu, dass einige Queers den antikapitalistischen CSD Z\u00fcrich gr\u00fcndeten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Am antikapitalistischen CSD in Z\u00fcrich hielt ich eine Rede und warf mich in Schale f\u00fcr einen Drag-Auftritt an der Aftershowparty. F\u00fcr die Rede hatten die Organisator*innen eine B\u00fchne vorbereitet. Nur hatten sie keine Rampe. Ich sprach trotzdem zu den Menschen, einfach neben, statt auf der B\u00fchne.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Zurich Pride ist mir zu riesig, kommerziell und es geht nicht mehr um den Grundgedanken. Deshalb war es f\u00fcr mich eine schwere Entscheidung, ob ich weiterhin an die Pride fahren sollte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Aber der Kommerz bringt auch finanzielle Mittel, die f\u00fcr die Barrierefreiheit gebraucht werden. Ohne Geld ist es schwierig, Awareness und Accessibility zu gew\u00e4hrleisten. Und ich verbinde die Pride auch mit meinen ersten sch\u00f6nen queeren Emotionen, und das m\u00f6chte ich um nichts in der Welt verlieren!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Der CSD ist ein kleines Familienfest, wo wir unsere Liebsten treffen und zusammen Queer Joy verbreiten. Und zur\u00fcckdenken an die Stonewall-Aufst\u00e4nde und die Demonstrierenden, die f\u00fcr unsere Sache k\u00e4mpften. Am CSD nehmen zwar weniger Menschen teil, aber der Vibe ist liebevoller.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Ich habe mich entschieden. Ich fahre immer noch sehr gerne an die Pride und den CSD, da ich als behinderte und queere Person f\u00fcr Sichtbarkeit sorge. W\u00fcrden ich und andere Behinderte nicht mehr hinfahren, w\u00e4re es ein riesiger Verlust f\u00fcr mich, die queere Community und f\u00fcr die ganze Gesellschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00f6ne queere Emotionen, schwer passierbare Demorouten. Warum ich, Lila, als queere K\u00fcnstler*in mit einer Behinderung an Pride und CSD fahre und warum diese unbedingt barrierefrei sein m\u00fcssen. Text: Lila Plakolli und Gioia Niessner In einem Sommer war es so weit. Ich fuhr zum ersten Mal mit meinen Freund*innen aus der Stiftung an die Zurich Pride. 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