«Meinen Eltern hätte ich nicht alles erzählt. Ich bin ja von ihnen abhängig.»

Interview: Julia Grell

Queere Kids wachsen immer noch in einer stark cis-heteronormativ geprägten Welt auf. In Schulbüchern, aber auch auf dem Pausenplatz und zu Hause dominieren Bilder von heterosexueller Liebe und Frau- oder Mann-Identität. Das Begehren und die Identität queerer Jugendliche wird unsichtbar gemacht. Zwar haben Jugendliche heute via Social Media Zugang zu anderen Repräsentationen – leider aber auch zu viel Fake News und Hate Speech.

Eine zentrale! Élodie, eine bisexuelle Teenagerin, die ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern hat, bringt es auf den Punkt: «Meinen Eltern hätte ich nicht alles erzählt. Ich bin ja von ihnen abhängig.» Das Elternhaus und die Schule sind die beiden Kontexte, in denen Kinder und Jugendliche die meiste Zeit verbringen. Machen die Kids in der Schule schlechte Erfahrungen, ist ein unterstützendes Elternhaus umso wichtiger – und umgekehrt.

Sehr unterschiedliche. Es gibt Kids in meinem Buch, die bei den Eltern nicht out sind. Andere gehen mit den Eltern an die Pride. Was allen gemeinsam ist: Keine*r der Jugendlichen ist sich beim Coming-out sicher, dass die Eltern durchwegs positiv reagieren. Darum ist es so wichtig, dass sich Eltern mit den Lebensrealitäten queerer Jugendlicher vertraut machen und ihren Kindern vermitteln: Du bist okay, wie du bist – egal, wen du liebst oder wie du dich identifizierst.

Neben dem Elternhaus ist die Schule der Ort, an dem die Kinder die meiste Zeit verbringen. Das führt zu einer grossen Abhängigkeit. Anders als Erwachsene, die einen Job in einem queerfeindlichen Umfeld kündigen können, sind Kinder dem Schulumfeld ausgeliefert.

Ja – aber leider nicht zum Guten. Dass rechte Parteien die Gesundheitsversorgung von trans Kids einschränken wollen, macht den Kindern und Jugendlichen in meinem Buch Angst, und zwar auch den cis Jugendlichen. Sie wollen von den Erwachsenen ernst genommen werden. 

Hört den Kindern zu – nicht nur den queeren – denn sie haben viel zu sagen!

Es ist die Geschichte von Max, weil Max mich auf die Idee gebracht hat, das Buch zu schreiben. Ich habe Max im Rahmen eines Schulbesuchs mit ABQ kennengelernt. Max wurde uns als trans Junge angekündigt, und die Lehrpersonen waren irritiert, weil Max einen Rock und lange Haare trug. Max sagte uns dann, dass er non-binär und omni ist. Ich blieb in Kontakt mit Max und habe erfahren, dass er stark gemobbt wurde. So kam ich auf die Idee, ein Buch zu schreiben, um Erwachsene und auch andere Jugendliche über das Thema aufzuklären.