Am 8. März 2026 sind in den meisten Zürcher Gemeinden Wahlen. Die HAZ – Queer Zürich hat erneut alle Kandidierenden zu queeren Themen befragt. Wie die Exekutiv-Kandidierenden der Städte Zürich und Winterthur geantwortet haben, liest du hier.
Text: Ulla Blume und Dominik Steinacher


Ähnlich wie bereits 2022 haben die Kandidierenden von SP, Grünen, AL, GLP und Mitte unseren Fragebogen geschlossen ausgefüllt, während von FDP nur teilweise und von SVP und EVP keine Antworten eingegangen sind (Stand 19. November 2025). Dies wirft ein Schlaglicht darauf, wer sich in Zürich und Winterthur aktiv positioniert – und wer sich der öffentlichen Klärung entzieht.
Geschlechtsidentität & körperliche Integrität
Im Themenfeld rund um trans, inter und non-binäre Menschen herrscht bei den Kandidierenden von SP, Grünen, AL und GLP Geschlossenheit. Kaspar Bopp (SP) sagt in Bezug auf nicht-binäre Geschlechtseinträge: «Geschlechtseinträge müssen die Realität der Menschen abbilden, nicht umgekehrt». Hin-gegen kommt Romana Heuberger (FDP) zum Schluss, dass non-binäre Geschlechtseinträge im Pass mehr Probleme schaffen als sie Lösungen bringen würden.
Der Zugang zu medizinischen Leistungen für minderjährige trans Personen wird von den Kandidierenden grossmehrheitlich befürwortet. Andreas Hauri (GLP) betont, dass eine intensive psychologische Begleitung wichtig sei – auch nach dem medizinischen Eingriff. Gemäss Përparim Avdili (FDP) stehe aus liberaler Sicht die Selbstbestimmung der betroffenen Jugendlichen im Vordergrund. Es stelle sich jedoch die Frage, ab wann Minderjährige fähig seien, solche Fragen zu entscheiden.
Ein Verbot von gesundheitlich nicht zwingend notwendigen Operationen an nichturteilsfähigen intergeschlechtlichen Kindern wird von allen Kandidierenden begrüsst.
Diskriminierung & Gewalt
Während sich die Kandidierenden von SP, Grünen, AL und GLP klar für eine Ausweitung der Anti-Rassismus-Strafnorm um Geschlechtsidentität und Geschlechtsmerkmale aussprechen, sprechen sich die Kandidierenden von Mitte und teilweise FDP dagegen aus. Einheitlicher sind die Meinungen zur Erfassung statistischer Daten, die nur von Stefan Fritschi (FDP) sowie Andreas Geering (Mitte) deutlich abgelehnt wird. Ein Verbot von Konversionsmassnahmen wird hingegen von allen Kandidierenden klar unterstützt.
Beim Umgang mit Personen im Asylprozess anerkennen die Kandidierenden von SP, Grünen, AL und Zürcher GLP die besondere Vulnerabilität von queeren Personen. Balthasar Glättli (Grüne) sagt dazu: «Auch bei der Asylgewährung selbst muss die Situation queerer Menschen berücksichtigt werden.» Die Kandidierenden von Mitte, FDP und der Winterthurer GLP setzen eher auf die Gleichbehandlung aller Geflüchteten.
Bildung & Sichtbarkeit
Der Einbezug von Betroffenen bzw. LGBTQIA-Organisationen in die schulische Bildung wird von fast allen Kandidierenden begrüsst. SP-Stadträtin Simone Brander plädiert für eine konsequente Normalisierung queerer Lebensrealitäten: «Regenbogenfamilien sind eine Realität, die bestehende Vielfalt soll thematisiert werden.»
Engagement für Gleichstellung
Über die inhaltlichen Differenzen hinweg wird deutlich, dass die Kandidierenden der antwortenden Parteien queerpolitische Anliegen nicht als Randthema betrachten, sondern grösstenteils als Querschnittsaufgabe der Stadt: von Schule über Sicherheit bis Verwaltung.
Was ist regenbogenpolitik.ch? Die Plattform zeigt, wie sich Kandidierende zu queerpolitischen Fragen positionieren. Ähnlich wie Smartvote füllt man einen Fragebogen aus und erhält Wahlvorschläge anhand politischer Nähe – transparent und parteiübergreifend. Bereits online sind die Profile der Exekutivkandidat*innen von Zürich und Winterthur, bald folgen jene der kommunalen Parlamente. Nutze regenbogenpolitik.ch für die Wahlen 2026 – und geh wählen!

