The horrible reality of dating as a trans person

In diesem Gespräch tauschen sich Luc und Tale über ihre Dating Erfahrungen als trans Personen aus und sinnieren über die schönen und schlechten Seiten.

Text: Luc und Tale

Luc: Ich bin trans und ich date. Daten als trans Person ist unglaublich anstrengend und kompliziert, doch nicht, weil ich trans bin, sondern weil daten kompliziert ist. Doch daten als trans Person kann auch mega schön sein, sowie wohl auch daten als cis Person. Jedoch habe ich, soweit ich weiss, noch nie eine cis Person gedatet. 

Tale: Ja, das geht mir auch so. Das letzte Mal, als ich mit einer cis Person zusammen war (rsp. eine Person, die sich später nicht noch als trans geoutet hat) war 2013… Ich weiss auch gar nicht, wie es wäre, mit einer Person zusammen zu sein, die mein Trans-Sein nicht verstehen oder sogar ablehnen würde.

Luc: Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass mich Personen, die ich date, so wahrnehmen, akzeptieren und unterstützen wie ich bin und dazu gehört meine trans Identität. Da sich andere trans Menschen selbst mit ihrer Geschlechtsidentität auseinandergesetzt haben, können wir uns gegenseitig verstehen und unterstützen. Ich bin momentan in einer Beziehung mit einer trans Person und finde es mega schön, dass wir uns nichts erklären müssen und einander so gut verstehen und unterstützen können.

Tale: Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Bei mir hat es zwar mit der Angst zu tun, nicht verstanden zu werden, aber auch mein Gegenüber nicht zu verstehen. Ich habe mich immer wieder mit dem Konzept t4t – also «trans for trans» – auseinandergesetzt und gefragt, ob ich selber wirklich nur andere trans und nicht-binäre Menschen daten möchte, obwohl ich das meistens tue. Im Gegensatz dazu gibt es ja auch trans Menschen, die es gerade wegen dem geteilten Leid z.B. auch stresst, andere trans Personen zu daten, was ich irgendwie auch noch verstehen kann.

So oder so, ich date aktuell wieder mal eine cis Person, (die sich mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr als trans outen wird) und es ist gerade sehr schön! Was magst du spezifisch beim t4t-Dating?

Luc: Ich fühle mich allgemein sehr wohl eine andere trans Person zu daten, da wir ähnliche Erlebnisse und Diskriminierungserfahrungen teilen. Wir können uns gegenseitig unterstützen und auch gemeinsam wütend sein. Ich geniesse sehr, dass ich in meiner t4t-Beziehung trans und Queer sein kann. Ich war zuvor in einer Beziehung, die von aussen gesehen eine hetero Beziehung war. Doch auch wenn ich mich klar als Mann identifizierte, beschrieben wir unsere Beziehung lieber als Queer. Wir waren beide ein bisschen Queer und somit war auch unsere Beziehung eine queere Beziehung. Ich kann mir auch nicht vorstellen, nicht queer zu daten, denn ich bin Queer. Das heisst jedoch nicht, dass jede Beziehung mit einer trans Person eine queere Beziehung ist. Eine Beziehung ist dann Queer, wenn die Menschen, die in der Beziehung sind, diese als Queer bezeichnen.

Tale: Das ist auch viel eher mein Ding, wenn ich mir ausmale, mit wem ich mich sehen könnte. Ist die Person nicht trans? Ja, okay easy. Aber wenn die Person nicht Queer ist?? Ganz schwierig. Irgendwie glaube ich, dass ich auf eine Art trans oder – um genauer zu sein –genderfluid bin, bei der ich halt erwarte, dass eine Person erstens positive Gefühle dazu hat, das selbe Gender zu daten und zweitens eigentlich auch nicht nur rigide auf ein Gender steht. Heterosexuelle Kandidat*innen sind da grundsätzlich mal raus. Und einer «hetero» Person zu helfen, die durch mich merkt, dass er oder sie queer sein könnte, finde ich irgendwie stressig. Auch, wenn es eine trans Person ist. Ich date gerne Leute, die sich selbst und wen sie mögen, schon ein bisschen kennen.

Luc: Oh ja. Mir ist es auch wichtig, Personen die ich date, schon ein bisschen zu kennen. Ich denke auch, dass dies vielleicht daran liegt, dass ich Demi (Demisexuell/Demiromantisch ist ein Label auf dem AroAce Spektrum. Ich finde Menschen erst attraktiv, wenn ich sie bereits etwas kenne.) sein könnte. Dazu weiss ich oft bei Personen, die ich bereits kenne, besser, wie sie mit dem Thema Transidentität umgehen und weiss dann schnell, ob ich mich bei einer Person mehr oder weniger wohlfühle.

Luc und Tale beim Gespräch, eigene Zeichnungen.

Tale: Also ich habe jetzt eher gemeint, dass sich die Leute selbst schon kennen, aber gegenseitig ist absolut auch ein Faktor. Einer meiner Einstiegsfragen bei meinem Ex war übrigens, wieso er die Pronomen «he/they» in seinem Profil habe und ob er sich gezwungen fühle, er-Pronomen zu verwenden, weil er amab, also eine Person ist, der das männliche Geschlecht bei der Geburt zugeteilt wurde. Stellte sich heraus, er ist transmaskulin und hatte einfach Bilder, auf denen er sehr gutes «Male Passing» hatte, also als männlich gelesen wurde! Auf Dating-Apps erfährt mensch auf den ersten Blick also auch nur so viel (oder wenig) voneinander.

Luc: Ich persönlich habe keine Erfahrung mit Dating-Apps. Ich habe das Gefühl, dass die allermeisten Apps noch sehr binär sind und somit gerade für eine trans Person, welche Queer daten möchte, nicht so geeignet ist. Ich gehe sehr offen damit um, dass ich trans bin. Trotzdem ist es nicht das Erste, was eine Person über mich wissen sollte. Wenn ich nun in meinem Dating Profil angebe, dass ich ein Mann bin (was auch stimmt), dann werden mir vermutlich vor allem Menschen angezeigt, die einen Mann suchen. Doch im Dating Kontext fühle ich mich oft nicht als den Mann, den die Gesellschaft erwartet.

Tale: Als transmaskuline Personen, auch wenn nicht immer ganz binär, können wir, glaube ich, einen grossen Beitrag dazu leisten, die «männliche Rolle» umzuschreiben. Ich hatte anfangs sehr Mühe damit, als ich zum ersten Mal eine weiblich gelesene Person datete. Ich hatte solche Angst, Machtstrukturen und übergriffiges Verhalten zu reproduzieren, weil ich «der Dude» in der Beziehung war. Mann-sein und auch schon nur Maskulinität müssen gar nicht so aussehen. Gerade auch Queere cis Menschen können vermutlich Lieder darüber singen.

Luc: Ich finde es extrem wichtig, das Bild der Männlichkeit zu hinterfragen. So hinterfrage ich teilweise auch meine eigene Identität. Bin ich wirklich ein Mann? Und was ist überhaupt ein Mann? Ich persönlich fühle mich wohl als Mann, doch werde nicht gerne als cis und hetero gelesen. Ich bin Queer und bin auch stolz darauf. Ich nehme seit bald fünf Jahren Testosteron und habe eine Mastektomie gemacht. Diese medizinischen Transitionsschritte haben mir geholfen mich in meinem Körper wohler zu fühlen. 

Tale: Ich habe glücklicherweise auch das Privileg, sogenannte «Gender affirming care» zu erhalten, frage mich in meiner medizinischen Transition aber trotz allem häufig, wie gewisse Schritte und Veränderungen jetzt wohl mein Dating Leben beeinflussen werden… Was ist, wenn ihre Vorlieben schöne Brüste sind und ich dann eine Mastektomie gemacht habe? Wird mein Dating Pool mit Bottom Growth (Wachstum der Klitoris bei einer Hormonersatztherapie auf Testosteron) kleiner, weil damit mein Körper aus den binären Normen fällt? Gefällt irgendwem meine «nicht richtig» tiefe Stimme?

Luc: Das kann ich gut verstehen, doch ich glaube, wenn du selbst zufrieden bist mit deinem Körper, deiner Stimme oder dem Bottom Growth wird dies auch in deinem Dating Leben gut ankommen. Ich war in einer Beziehung, während ich die Hormontherapie startete und es war mega schön, dass ich mit meiner damaligen Freundin die Veränderungen erleben konnte. Sie hat sich immer mit mir mitgefreut. Doch schlussendlich geht es auch echt niemanden etwas an, wie dein Körper aussieht ausser dich selbst. 

Tale: Da hast du Recht. Wenn ich okay mit mir selbst bin, ziehe ich die Menschen an, die mich so mögen! Ich erwische mich leider häufig dabei, wie ich mir einrede, dass mein Gegenüber gar nicht mit mir flirtet, weil ich es nicht Wert bin. Dass eine Frau (egal ob cis oder trans) mich gar nicht attraktiv finden kann, weil sie sicher «richtige» Männlich- oder Weiblichkeit bevorzugt und wie ich eher keins davon, als beides biete. Das ist schade, denn ich bin definitiv gut genug! Wie sehen deine Flirt-Erfahrungen aus?

Luc: Ich sehe immer viele tolle und sympathische Menschen und spreche auch gern mit ihnen, doch habe ich eigentlich nie die Absicht zu flirten. Es ist dabei schon mehrmals vorgekommen, dass jemensch mit mir geflirtet hat und ich es erst gemerkt habe, als Freund:innen mich darauf aufmerksam machten. Ich kenne viele neurodivergente Menschen, die mir gesagt haben, dass ihnen das auch oft passiert. Ich denke, ich verstehe auch nicht, ab wann etwas als flirten oder als daten zählt, wenn es nicht explizit so benannt wird. Doch ich glaube, da könnten wir könnten mit der Frage was Dating ist und was nicht noch ganz weit in die Tiefe gehen. Das Wichtigste ist, dass sich alle beteiligten wohl fühlen und dass alles mit Konsens abläuft. Und zu der Männlich- oder Weiblichkeit: Was ist schon richtige Männlichkeit?

Tale: Ich bin froh, muss ich meine Männlichkeit nie dem Gegenüber beweisen. Mein Geschlecht, wie ich es lebe, ist sowieso nicht konform. Ich stelle mir die Herausforderung nochmal sehr gross und anders vor, wenn du bspw. eine trans Frau bist und versuchst ein weibliches Passing zu haben. Irgendwelche cis hetero Männer werfen dir vor, sie hinters Licht führen zu wollen und cis Frauen wird ihr lesbisch-Sein abgesprochen, wenn sie interessiert an dir sind…

Luc: Ja echt, es gibt leider sehr viel Transphobie in unserer Welt. Es tut mir immer wieder weh, solche Geschichten zu hören oder zu lesen. Es ist mega Ok, wenn mensch im Sexkontext Genitalpräferenzen hat. Doch deshalb ist eine trans Frau immer noch eine Frau und ein schwuler Mann, welcher einen trans Boyfriend hat, immer noch schwul. Sex, Dating und Geschlecht ist so viel mehr als nur Genitalien. 

Tale: Oder Labels! Ach, und wenn eine Person dich dated, gerade weil du trans bist; nennen wir auch „Chaser“…die finde ich furchteinflössend! Als Thailänder*in finde ich Männer, die Sextourismus bei trans Frauen in meiner anderen Heimat ausnutzen, um dann hier wieder «Ladyboys» schlecht zu reden, unglaublich nervig. Manchmal weiss ich auch nicht, ob ich fetischisiert werde, weil ich trans bin oder weil ich Asiat*in bin, wer weiss?

Luc: Echt uncool. Ich hatte zum Glück noch keine Erfahrung mit Chasing. Oder ich habe es nicht bemerkt, da ich das Flirten nicht als Flirten verstand… Ich sehe es jedoch nicht als Chasing, wenn eine trans Person ausschliesslich andere trans Personen daten möchte. In einer t4t-Beziehung können trans Menschen sich gut gegenseitig verstehen und supporten. 

Tale: Rückblickend auf unser Gespräch kommt es mir vor, als würden wir Dating beide nicht immer ganz einfach finden. Auch ich empfinde selbstverständliche Schritte und Regeln in Flirten, Dating, Beziehungen etc. durch meine Neurodivergenz nicht immer ganz einfach und einleuchtend. Dann habe ich auch noch Ansprüche! Dazu gehören Queere Personen mit ähnlichen Werten zu Intersektionalität etwa oder auch, dass ich nicht unbedingt bereit dazu bin, selbst Kinder zu kriegen (grosses Fass, lassen wir es vielleicht mal geschlossen). Klingt so, als müssten wir eigentlich einen extrem kleinen Dating Pool haben, aber wenn ich auf einer Demo mindestens einem Ex und drei Dating Personen begegne, kann es ja nicht so schlimm sein… Cuties hat es überall! Oder zu meinem Glück zumindest da, wo ich hingehe.

Luc: Ich wünsche mir, dass trans Menschen im Dating Kontext (und auch sonst immer) als Menschen wahrgenommen werden unabhängig von ihrer Identität. Wir sind alle unterschiedlich und cute! Unsere Identität ist noch viel mehr als nur trans. Das Schöne am Dating ist auch, Menschen mit all ihren Facetten kennenzulernen. So entdeckt mensch, dass Identität aus so vielen kleinen Teilen besteht und mega schön ist.

Tale: Da gehe ich voll mit dir. Ich hoffe auch, dass jede trans Person ihre Kostbarkeit erkennt und sich nicht auf Menschen einlässt, die sie schlecht behandelt. Es ist zwar ein steiniger Weg, aber wir sind den Respekt und die Liebe sowas von Wert!