«Fürsorge»

«INAYA» bedeutet «Fürsorge» im Arabischen und ist vom Wortstamm für «Auge» abgeleitet – denn INAYA schaut da hin, wo der Schweizer Staat wegschaut und will seiner strukturellen Sorglosigkeit Fürsorge entgegenstellen.

Text: Kollektiv Inaya

Menschen, die im Schweizer Asylsystem überleben müssen, kriegen tagtäglich die Gewalt und Igno­ranz des Staates zu spüren. So werden Personen im Nothilferegime, deren Asylgesuch abgelehnt oder aufgrund des Dublin-Abkommens nicht anerkannt wurde, oft jahrelang in Bunkern, Baracken oder Containern in der Agglomeration untergebracht. Zudem erhalten sie im Kanton Zürich genau 8.50 Franken pro Tag. Dieser Betrag reicht kaum zum Überleben, geschweige denn zum Leben. Nicht einmal ein Busbillett zum Deutschunterricht in die nächstgelegene Stadt liegt drin, sofern man am selben Tag noch etwas essen möchte. Nothilfebezieherinnen sind zudem bloss für die medizinische Notversorgung krankenversichert. Für trans Personen ist es in diesem System erst recht kaum möglich, Zugang zu den notwendigen geschlechtsaffirmierenden Prozessen zu erhalten.

Hier zeigt sich die Mehrfachunterdrückung, die Frauen und lesbische, schwule, bisexuelle, trans und genderqueere Personen (LGBTQ+) im Migrations- und Asylsystem erleben. Sie zeigt sich bereits darin, dass ihre Fluchtgründe vom Staat oft nicht anerkannt werden – und das, obwohl geschlechtsspezifische Fluchtgründe und Verfolgung wegen Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, somit auch zur Gruppe der LGBTQ+ Personen, laut Genfer Konvention auch in der Schweiz ein Asylgrund sind. Frauen und LGBTQ+ Personen sind finanziell zusätzlich belastet, beispielsweise aufgrund vom Mehrbedarf an Hygieneartikeln. Auch die Massenlager stellen für sie oft einen besonders unsicheren Wohnraum dar. Alternativen werden keine geboten, auch wenn sie hier queerfeindliche und sexualisierte Gewalt erleben.

Diese systematische Unmenschlichkeit des Staates und die Unterfinanzierung der Nothilfe verdeutlichen sich im Augenblick durch den grotesken Kontrast zur Bereitschaft desselben Staates, eine Grossbank mit 209 Milliarden Franken zu retten. Das ist, wo der Verein Inaya ansetzt: «INAYA» bedeutet «Fürsorge» im Arabischen und ist vom Wortstamm für «Auge» abgeleitet – denn INAYA schaut da hin, wo der Schweizer Staat wegschaut und will seiner strukturellen Sorglosigkeit Fürsorge entgegenstellen.

Wie unterstützt INAYA?

Die strukturelle Mehrfachunterdrückung spiegelt sich auch in den bereits vorhandenen Unterstützungsangeboten für Asylsuchende in Zürich wider. Sie werden bis anhin mehrheitlich von cis Männern genutzt und sind für Frauen und LGBTQ+ Personen oft weniger zugänglich. Aus dieser Lücke ist INAYA entstanden und versucht als lokal basiertes solidarisches Netzwerk im Kleinen für Betroffene da zu sein.

Konkret heisst das, dass INAYA zum Beispiel die Vernetzung mit solidarischen Ärzt*innen, Psycholog*innen oder Dolmetscher*innen oder Anschluss an bestehende Institutionen wie die Freiplatzaktion, die Autonome Schule oder das Transgender Network Switzerland organisiert. INAYA unterstützt also sowohl in finanzieller Hinsicht, als auch durch das Teilen von anderen Privilegien.

Der Verein bietet beispielsweise an, Personen zu Fachstellen zu begleiten, wichtige Informationen zu recherchieren und Übersetzungen oder Kinderbetreuung zu organisieren. Bei der praktisch unmöglichen Wohnungssuche kann INAYA ausserdem an lokale Netzwerke und private Kontakte vermitteln.

Wie kann INAYA unterstützt werden?

INAYA baut auf einem Netzwerk solidarischer Personen auf und will dieses stetig erweitern. Hast du ein Zimmer oder gar eine Wohnung zu vermieten, magst ab und an Kinder betreuen oder hast andere Ressourcen, die du gerne mit INAYA teilen möchtest? Wir sind immer auf der Suche nach Leuten mit dem Herz am linken Fleck. Melde dich gerne unter inaya-zuerich@immerda.ch.

Eine Priorität von INAYA ist die solidarische Umverteilung von benötigtem Geld von denjenigen, die genug haben, zu jenen, die zu wenig Geld haben. Damit INAYA Grundbedürfnisse sicher decken kann, ist der Verein auf finanzielle Solidarität angewiesen. Am sinnvollsten sind (auch kleine) Daueraufträge, damit können wir längerfristige Perspektiven aufbauen. Das Geld wird umverteilt, um Notsituationen zu überbrücken: für sicheren Wohnraum ausserhalb des Camps, die notwen­dige Rechtsberatung, um beispiels­weise die Umsetzung der Schulpflicht der eigenen Kinder einzufordern, für medizinische Behandlungen und psychologische Unterstützung, für Hygiene­artikel, Fahrkosten und vieles mehr. Anders als bei gängigen Organisationen fliesst jeder Beitrag zu hundert Prozent in die oben genannten Zwecke.